Team Lyfa

Kannst du dich an den Milchmann erinnern? Ein Lieferant, der täglich frische Milch direkt vor die Haustüre lieferte und am nächsten Tag die leeren Glasflaschen wieder einsammelte und neue, wieder gefüllte Flaschen hinstellte. Das war bequem, unkompliziert – und vor allem abfallfrei! Und jetzt stell dir vor: Du kannst das 2021 auch haben, aber mit allen möglichen Produkten! Träumerei? Nein, das ist Lyfa.

Mittwochnachmittag, Lyfa-Hauptquartier in der Aktienmühle in Basel. An den Wänden stehen Regale voller Gläser mit abgefüllten Teigwaren und Linsen, Kästen mit Wasser- und Bierflaschen und ein grosser Kühlschrank mit frischem Gemüse und diversen Früchten. Rechts hinten befindet sich eine Waschstrasse, wo dutzende von Gläsern und Behältern auf ihre Reinigung warten. Drei Schreibtische stehen mit Sicht auf den Innenhof am Fenster. Hier sitzt und arbeitet das kleine Team von Lyfa.

Das ist neben den beiden Gründern, Michael und Lewys, auch Anna, die sich seit wenigen Wochen um Marketing und Kommunikation kümmert. Der Vierte im Bunde, Noah, fehlt – er liefert gerade Ware aus.

Die Geburt von Lyfa

«Nachdem ich meinen alten Job aufgegeben habe, wollte ich in meinem Leben grundsätzlich etwas ändern und nachhaltiger leben.»

Michael May

Was ist der beste Grund, eine Firma zu gründen? Wenn man etwas braucht, was es so noch nicht gibt. Oder im Falle von Lyfa nicht mehr gibt: Eine unkomplizierte, bequeme Art einzukaufen, aber nachhaltig und ökologisch und ohne jeglichen Stress.

Genau das haben die gelernten Ingenieure Michael und Lewys Anfang 2019 getan.

“Nachdem ich meinen alten Job aufgegeben habe, wollte ich in meinem Leben grundsätzlich etwas ändern und nachhaltiger leben.”, erzählt Michael. “Ich ging deswegen regelmässig im ersten Unverpacktladen Basels im Kleinbasel einkaufen, war aber nicht zufrieden. Der Einkauf war für meine Bedürfnisse unpraktisch, recht teuer und sehr zeitaufwendig – und das, obwohl ich nur wenige 100 Meter davon entfernt lebe.” Und wenn es für ihn unpraktisch sei, wie sei es erst für andere, die von weiter her kommen müssen, ergänzt er.

Es musste eine andere Lösung her. Einfacher, zugänglicher, ohne, dass eine grosse Änderung im Leben des Kunden stattfinden muss. Und zwar für alle.

“Als ich noch Kind war, kam jeden Morgen der Milchmann und lieferte in der ganzen Strasse Glasflaschen mit frischer Milch aus. Das war wirklich praktisch und sogar nachhaltig – auch wenn das damals sicher nicht die Hauptintention war. Wäre es nicht grossartig, wenn ich mir auch anderen Produkte frisch und unkompliziert liefern lassen könnte?”

Der Zero-Waste-Supermarkt

Wie früher der Milchmann, liefert Lyfa Hunderte Produkte, abfall- und kostenfrei (Mindestbestellmenge) via Velokurier vor die Haustür ihrer Kunden. Waren es zu Beginn ein paar dutzend Produkte, kann man heute zwischen Lebensmitteln wie Bio-Gemüse und -Früchte, Brot, Teigwaren, Milchprodukten und Wasser, sowohl als auch Hygiene- und Haushaltsartikel wie Waschmittel, Toilettenpapier und Seife wählen. Einige Produkte, wie etwa Gewürze, erhält das Start-up von BaselUnverpackt, mit denen von Anfang an eine Kooperation bestand. 

Das Angebot wird laufend ergänzt. Aber nicht alle Produkte sind einfach zu bekommen. Pelati zum Beispiel: Eine Mission Impossible. “Es hat natürlich x Hersteller und Lieferanten von Pelati und gehackten Tomaten generell. Aber nicht in der Qualität und der Verpackung, welche unseren Ansprüchen standhält.”, verrät Michael.

Grosse Hürden, grosse Ziele

“Wir wollen im 2022 der grösste Unverpackt-Laden/Lieferant werden  – in der gesamten Deutschschweiz.”

Produkte in der gewünschten Qualität zu bekommen ist nicht die einzige Herausforderung des Start-ups. Aktuell beschäftigt Lyfa einen einzigen Kurier, nämlich Noah, der dreimal die Woche die Bestellungen in Basel und Agglomeration ausfährt. Die Nachfrage ist jedoch so gross, dass teilweise eine Warteliste zum Einsatz kommen muss. Expansion ist also ein Thema – und die Ziele von Lyfa sind hochgesteckt! “Wir wollen im 2022 der grösste Unverpackt-Laden/Lieferant werden  – in der gesamten Deutschschweiz.”

Dafür sucht das Team gerade nach einer Lösung, um die Lieferungen auch via Post zu ermöglichen. Wie aber verschickst du drei Kisten Wasser als Päckli? Was ist mit den Frischprodukten, die gekühlt werden müssen? Was ist die nachhaltigste Verpackung?

Das sind nur einige der Fragen, die das Team beschäftigt und worauf noch Antworten gesucht werden.

Für jeden etwas dabei

“Das Wort <Liefern> fiel oft, daraus wurde die Kurzform <Lyfa> (Lifa gesprochen). Der Name ist geblieben.”

Lewys Thomas

Zurück aus der Zukunft in die Aktienmühle. Gerade spaziert Noah herein und holt sich seine nächsten Bestellungen ab. Diese fallen komplett unterschiedlich aus. Es gibt Kunden die wenig, dafür zweimal wöchentlich bestellen. Und dann gibt es Kunden, die alle paar Wochen, dafür dann aber gleich drei Kisten Wasser und zwei volle Taschen Lebensmittel shoppen. «Dann ist Noah’s Box auf dem Fahrrad proppenvoll und es wird eine Einzellieferung», erzählt mir Anna schmunzelnd und präsentiert die schönen Taschen aus Jute mit der Lyfa-Aufschrift. 

Die nächste Route ergibt drei Auslieferungen. Noah schnappt sich die Taschen und belädt das Lastenvelo, welches vor der Tür steht. Auch hier prangt der Name Lyfa.

Lyfa – ein kurzer und prägnanter Name. Wofür steht er eigentlich? «Zuerst sprachen wir immer nur über <das Projekt>, was viel zu umständlich war.”, erinnert sich Lewys. “Das Wort <Liefern> fiel oft, daraus wurde die Kurzform <Lyfa> (Lifa gesprochen). Der Name ist geblieben.”

Nachhaltigkeit etablieren

Auch geblieben ist das Stigma, welches mit Nachhaltigkeit und Zero-Waste einhergeht.

“In den Köpfen der Menschen, ist Nachhaltigkeit etwas für hartgesottene Hippies, die sich kaum eine Umweltsünde erlauben – à la Greta Thunberg. Und vor allem nur etwas, was sich die obere Schicht leisten kann, weil es so teuer ist.

Aber das ist schon lange nicht mehr so. Jeder kann ohne viel Aufwand einen Beitrag leisten. It’s the small steps. Ja, unsere Produkte sind nachhaltig und von bester Qualität. Aber sie sind auch zugänglich und bezahlbar. Dieses Stigma zu durchbrechen ist im Moment unsere grösste Hürde.”

Was ein hart gesottener Zero-Waster ist und wie “abfallfrei” trotzdem für jeden machbar ist, erfährst du in unserem nächsten Blogbeitrag.

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